von der Vergangenheit in die Gegenwart

Zusammengestellt von Jakob Burgmair 

1737 Belege bestätigen, dass seit 1737 Wasserstechen in Donauwörth statt gefunden haben. Das Stechen fand üblicherweise alle sechs bis sieben Jahre, jeweils zu Kirchweih oder Nachkirchweih – natürlich nur mit „obrigkeitlicher Bewilligung“ statt. Bei besonderen Anlässen auch außerhalb des Jahresturnus und der Jahreszeit.
1779 Denen bürgerl. Schäfmeister und Fischers Söhnen wurde wegs gehaltenem Fischerstechen beygetragen…..2 Gulden 24 Kreuzer
(Auszug Hauptrechnung)
1785 Denen hiesigen bürg: Fischers Söhnen die am Kürchweyhe Montag im Fischer Stechen sich gezeiget, hat man zum Donceur Behändiget 4 Gulden 48 Kreuzer
(Auszug Hauptrechnung)
1791 12. September: Fischerstechen auf der Donau an der Mündung der Wörnitz beim Donau-Wörnitz-Spitz. (Buch: Landkreis Donauwörth)
1794 Fischergedichte und Erzählungen von F.X.Bronner (Seite 160-170)    (Auszug!)
Turnier und Stechen, mit frohen Banketten und Tanzen beschlossen, waren einst die einzigen Feste für Ritter und Volk. Selbst die Fischer Deutschlands ahmten das Ritterspiel nach*. Aber statt auf stolzen bäumenden Rossen zu rennen, flogen sie auf schnellen Kähnen einander entgegen; uns statt im Sattel sich zu halten, versuchten sie, auf den äußersten Enden ihrer Fahrzeuge, bey den Stössen ihres Gegners, wie angewachsen stehen zu bleiben. Bunte Spere, vorne mit weichen Lederküsschen gefuttert, ersetzten die schweren Lanzen; und weiße leinene Kleidchen, mit farbigen Bändern geziert, galten für die eherne Rüstung. Solch ein Festtag lockte das Volk von nah und fern, in Haufen herbey. An der Ufern der Donau, und auf der langen Brücke darüber, wimmelte es von Zuschauern, groß und klein, wie an Aesten, wo sich ein volkreicher bienenschwarm lagert. Ein froher Tumult brausete durch die Menge hin, die sich gegen einander drängte gleich Wogen. U.s.w.

* Es verstreicht selten ein Jahr, in welchem nicht auch jetzt noch ein solches Fischerfest, entweder zu Ulm oder zu Augsburg, Donauwert, Neuburg, Regensburg &c. gefeyert wird.

Rieder Tor
1797 Denen bürgerl.: Fischer- und Fischmeisters Söhnen wurden wegen ausgeführtem Wasser-Turnier als eine Donceur behändigt 5 Gulden
1808 Im Jahre 1808 erhielt die Stadt für ihre Treue und Anhänglichkeit eine besondere Auszeichnung. Der König stiftete ihr als eine der ersten Städte im Lande eine Fahne für das Bürgermilitär. Abt Königsdorfer weihte sie am 27. Mai, dem Geburtsfest des Königs. Die Fahne zeigte neben dem Stadtwappen von 1530 die Inschrift: “Maximilian Joseph, König von Bayern, der Stadt Donauwörth.“ Das Militär paradierte nach dem feierlichen Hochamt. Nachmittags lockte das Fischerstechen auf der Donau viele Schaulustige an und abends klang der Freudentag mit einem festlichen Ball aus.
1813 13. September: Fischerstechen auf der Donau an der Mündung der Wörnitz beim Donau-Wörnitz-Spitz. (Buch: Landkreis Donauwörth)
1823 Anzeige aus dem Königlich-Baierischen privilegierten Donauwörther Wochenblatt vom 06.September 1823:
„Mit gnädiger Erlaubniß wird am Kirchweih-Sonntag den 14. September 1823, die hier ansässige bürgerliche Schiffmeisters-Gesellschaft auf dem Donau-Strom rechts der Donau-Brücken zu produziren die Ehre haben:
Das Wassertournieren, oder: Fischerstechen.
Der Anfang ist um 2 Uhr.
Das Übrige zeigt der Anschlag-Zettel.
1837 Die Schiffer trugen für die Veranstaltung erforderlichen Kosten, die mitunter recht beträchtlich waren, selbst bei.
1837 z.B. wurden dafür 467 Gulden und 56 Kreuzer ausgegeben.
Eine stattliche Summe, wenn man bedenkt, dass damals ein Pfund Fleisch 7 bis 11 Kreuzer und die Maß Bier 4 bis 5 Kreuzer kostete, aber erst 60 Kreuzer 1 Gulden ausmachten. 135 Gulden und 44 Kreuzer (soviel betrugen die Unkosten) steuerte der damalige Vorsteher der Schifferinnung selbst bei; aus Spenden zu jeweils 8 oder 14 Gulden von Seiten der anderen Schiffmeister und einigen anderen „Douceurs“(Ehrenhalber) kamen die übrigen 332 Gulden und 12 Kreuzer zusammen, welcher Betrag dann „vertheilt“ wurde.
1850 14. September: Siehe Wochen- und Anzeigenblatt. Nach dem Fest der Drescher das mit kräftigem bayerischen Bier unter allgemeinen Hoch- und Jubelrufe auf das Wohl der Königlichen Majestät und aller derer getrunken hatten, welche das schöne Fest bereitet haben. Anschließend war Fischerstechen.
1877 Die einst größte Zunft der Fischer schrumpft um die Hälfte der Mitglieder. Im Jahre 1877 zählt die Bürgerliste der Stadt Donauwörth nur mehr 20 Schiffmeister. Wen wundert es, dass den Übriggebliebenen die Freude am Fischerstechen vergangen ist.
1983 Auf Anregung des damaligen Bürgermeisters heute Oberbürgermeister Dr. Böswald, wurde der Verein Donauwörther Fischerstecher wieder neu ins Leben gerufen und gegründet.
1985 Erstes Fischerstechen nach 135 Jahren vor sehr vielen Zuschauern unterhalb der Wörnitzbrücke im Ried.

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